Freunde der Deutschen Evangelischen Kirche auf Capri e.V.

 
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Dieter Richter

Capri und die Deutschen

 

Dieter Richter

Bruder Glücklichs trauriges Ende

Wie die Sehnsuchtsinsel Capri dem Essener Stahlkönig Friedrich Alfred Krupp 1902 zum Verhängnis wurde und warum die Insulaner seiner heute mit Wehmut gedenken.

 

Dieter Richter

Der Friedhof der Nichtkatholiken auf der Insel Capri

Dieter Richter
Jakobsleiter in den Himmel

Auf der Phönizischen Treppe auf Capri können Besucher wieder Stufen zählen.

Luciano Garofano 
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Franz Freiherr von Gaudy
Capri
   (1838)

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Franz Freiherr von Gaudy [1]

Capri   (1838)

Nur wenige kehren von Neapel zurück, ohne einen Ausflug nach der bekannten Insel Capri unternommen zu haben; die Mehrzahl der Reisenden wird sich jedoch mit einem kürzern Aufenthalte und dem Besuche der erst seit 20 Jahren wiederum zugänglich gewordenen blauen Grotte begnügen [2], um dann wieder nach Neapel oder Sorrent zurückzurudern. Verdient jedoch eine Insel des Golfs eine genauere Aufmerksamkeit, einen längern Aufenthalt, so ist es gewiß Capri, und nicht allein der Maler, für welchen die originellen Felsformen eine unerschöpfliche Fundgrube von Motiven sind, auch jeder Andere, welcher länger auf der Insel verweilt, wird späterhin jenen Zeitabschnitt zu seinen liebsten Reiseerinnerungen zählen. Eine durchaus eigenthümliche Natur, eine gesunde, gleichmäßige Temperatur, ein freundliches, gutmüthiges Völkchen, vor Allem aber eine nach dem Tumulte Neapels wohltuende Stille und Ruhe, machen Capri zum behaglichsten Rastort einer süditalienischen Reise.

 

Franz Freiherr von Gaudy (1800-1840)

Die Insel, geschichtlich berühmt durch den schwelgerischen Aufenthalt Tiber’s [3] und in neuern Zeiten durch die beispiellose Übergabe des kaiserlichen Kerkermeisters Hudson Lowe an die Franzosen und die Wiedereinnahme der Engländer [4], ist durch ihre Lage gegenüber der Punta della Campanella (Vorgebirge der Minerva) der Schlüssel zum Golf von Neapel, und demnach von hoher militairischer Bedeutsamkeit. Die von allen Seiten schroff in das Meer abfallenden, unersteiglichen Felsen sichern sie besser, als die elf Batterien, welche rings um die Insel vertheilt sind, und von denen die stärkste auf der Spitze Santa Maria del Soccorso liegt. Das Eiland selber, dessen Formation das Capo Circello bei Terracina im kleinen, der Monte Pellegrino bei Palermo im großen Maßstabe wiederholen, zerfällt in die zwei Hälften Capri und Anacapri; letztere ist die höhere, unfruchtbarere. Der einzige Verbindungsweg zwischen beiden ist ein schmaler, steiler, in den Felsen gehauener Fußpfad von 533 Stufen [5]. Die einzigen Ortschaften der Insel sind Capri und Anacapri auf den gleichnamigen Felsenhälften, und die große Marina am Landungspunkt, ein armseliges Fischerdorf von einigen zwanzig Hütten, und groß nur genannt im Gegensatze zu der kleinen Marina, einem einzelnen Hause auf der südlichen Küste. Früher war die Insel noch der Sitz eines Bischofs, dessen Sitz südwärts von dem Städtchen Capri nach dem Meere zu liegt [6], und welcher von seiner Hauptrevenue der Wachtelbischof genannt wurde. In neuerer Zeit ist das Bisthum mit dem sorrentiner vereinigt und der verarmenden Einwohnerschaft auch diese Hülfsquelle entzogen worden.

Giacinto Gigante (1806-1876): Il ponte levatoio di acesso al centro, 1829
 

Die Scala Fenicia, 1825 (bis 1874 die einzige Verbindung zwischen Capri und Anacapri)
 

Capri selber, mehr durch seine Lage, als durch das düftige Thor und die Zugbrücke befestigt, ist ein unbedeutender Ort, welcher außer der Kirche [7] kein Gebäude von nur einiger Bedeutung hat. Die Einwohner leben von Öl- und Weinbau. Wie eifrig sie der Cultur auch obliegen, jede Scholle Erde bepflanzen und die herabgeschwemmte wieder nach den kahlen Zacken hinauftragen, wie rühmlich bekannt der Ertrag auch seyn möge, so versinken sie dennoch in Folge der verkehrten Maßregeln der Regierung von Jahr zu Jahr tiefer in Dürftigkeit. Der einzige Stapelplatz ihrer Waaren ist Neapel; Capri und Ischia werden jedoch wie zu einer andern Provinz gehörig betrachtet, und müssen demzufolge ihre Producte verzollen, und dies nach einem unerhört hohen Tarif. Ein Baril Wein (etwa 60 Maß) wird mit 20 Carlin bezahlt und mit 6 versteuert; ein 18 Carlin geltendes Baril Öl mit 4. Drückender noch für die Capritaner ist es, daß ihre Stadt zum neapolitanischen Sibirien erkoren worden ist, und jederzeit einige 30 Soldaten, Räuber, oft sogar Mörder, dort ihre Strafzeit, nicht etwa im Kerker, sondern als dienstthuendes Militair zubringen [8]. Weder die eingeschüchterte Einwohnerschaft, noch die der Brutalität ihrer Untergebenen bloßgestellten Offiziere vermögen den täglichen Freveln dieser uniformierten Räuberbande zu steuern, und die in Neapel angebrachten Klagen verhallen ungehört. Zur Bedienung der erwähnten 11 Batterien sind außerdem noch 76 Mann Nationalgarde bestimmt. Auf vier Kanonen kommt ein Artillerist. Sie, die sich selber kaum nothdürftig zu bekleiden vermögen, sind gehalten, sich auf eigene Kosten Montirung anzuschaffen, und unnachsichtlich wird zur Bestreitung der Unkosten im Unvermögensfalle ihr Hausgeräth verkauft. Nur wenn sie 24 Stunden im Dienste sind, erhalten sie vier Grani (etwa sechs Kreuzer) täglichen Sold. Es kann nicht fehlen, daß diese jämmerliche Miliz sich unter jedem Vorwande dem lästigen Dienste entzieht, und daher stets incomplet bleibt, wie denn auch bei der vorjährigen Besichtigung des Königs [9] eine Bastion durch eine Frau bewacht wurde: ihr Mann war Ordonnanz beim Commandanten, die andern Milizen gestorben oder verdorben. Getreide wird auf der Insel gar nicht gebaut, das wenige Schlachtvieh von Neapel herüber geschafft. Hält der Scirocco [10] wochenlang an, wie dies im Winter öfters der Fall ist, so kann das sonst hin- und wiederfahrende Marktschiff nicht aus dem Hafen laufen, und die Einwohner laufen Gefahr, Hungers zu sterben. Sogar das bei dem salzgeschwängerten tyrrhenischen Meere so häufig in den Vertiefungen sich ansetzende Seesalz zu sammeln, ist bei Galeerenstrafe verboten.

Giacinto Gigante (1806-1876): Marina Grande, 1831
 

Die Einwohner sind ein schöner, kräftiger Menschenschlag, und unter den Frauen sind wahrhaft reizende Gesichtsbildungen keine Seltenheit. Weniger ist dies auf Anacapri der Fall, wo man öfters entschieden afrikanischen Physiognomien mit aufgeworfenen Lippen und hervorstehenden Backenknochen begegnet. Ist gleich die weibliche Tracht nicht so charakteristisch wie die der Ischianerinnen und Procidanerinnen, so ist sie doch immer eine sehr gefällige. Wie alle Südländerinnen, lieben die Frauen einen ins Auge fallenden Putz, ungeheure goldene Ohrenringe, an denen das Hörnchen schaukelt, plumpe Fingerringe, vielfache Korallenschnüre. Befremdend ist es im Anfange, sich von einer so reich geschmückten Dirne angebettelt zu sehen. Dies ist jedoch in der Ordnung. Sobald die Frauen einen Fremden sehen, stecken sie die Köpfe zusammen und scheinen unter sich Kriegsrath zu halten. Der Ausgang ist jederzeit derselbe, den Forestiere um eine Gabe anzusprechen. Man lacht ihnen ins Gesicht, sie lachen gleichfalls und ziehen in bester Laune ihrer Wege. Hoch auf dem Felszacken stehend, ruft ein Mädchen dem im Thale gehenden Wanderer ihr banales: Date mi qua’ co’!(Gebt mir etwas!) zu. Man hätte eine Viertelstunde zu klimmen, wenn überhaupt der Felsen ersteiglich wäre, nur um die Grani ihr heraufzutragen. Es liegt in dieser Bettelei etwas so Naives, fast möchte ich sagen, Humoristisches, daß man ihr nicht grollen kann. Von der Sittlichkeit der Frauen läßt sich übrigens nur Rühmliches sagen; ihre Strenge rührt zum Theil aus Furcht vor den Priestern her, welche einen unbeschränkten Einfluß auf die Insulaner ausüben.

Die Wohnhäuser sind alle gleichförmig und einen Stock hoch. Das Erdgeschoß wird zur Aufbewahrung der Öl- und Weinpresse benutzt. An keinem fehlt das auf die graue Wand mit Kalk getünchte Kreuz, umgeben mit runden, großen Punkten, welche vielleicht Sterne vorstellen sollen. Die Dächer sind nicht flach wie die neapolitanischen, sondern kuppelartige, abgeplatte Wölbungen, deren jedes Zimmer eine besondere bildet. Einigermaßen ausgedehnte Häuser gewinnen dadurch ein moscheenartiges Aussehen. Auf diesen Dächern verbringen die Capritanerinnen einen großen Theil des Tages, Wäsche oder Früchte trocknend, den Rocken spinnend, singend. Der Feigenbaum rankt sich mit seinen wunderlich gekrümmten Zweigen darüber hinweg, hier und da wiegt auch eine Palme ihre schlanken Zweige im Winde, und so bietet jedes Haus die anmuthigsten Motive.

Einfahrt in die Blaue Grotte, 1874 (Holzstich nach Keller)

Eine Miglia von der großen Marina liegt die vielbesuchte blaue Grotte (grotta azzurra, oder gewöhnlicher blua). Der Weg dahin führt an einem angeblichen Tiberspalast vorüber [11] – auf Capri wird jedes alte Bauwerk diesem Kaiser zugeschrieben –, von welchem noch einige Mauern und eine gewölbte Cella stehen. Von hier an erheben die Felsen sich steilrecht aus dem Meer; ein Vorsprung ist nirgends zu sehen. Schlägt der Wind plötzlich um, was im Golf nichts Seltenes ist, und tritt Tramontana ein [12], so läuft die Barke, welche ihrer Leichtigkeit halber nicht gegen die Wellen ankämpfen kann, Gefahr, gegen die Felswand geschleudert zu werden, wo dann jede Rettung undenkbar wäre. Räthlich ist es deshalb, bei zweifelhaftem Winde die Fahrt in einem größern Kahne zu unternehmen, und den kleinern, mit welchem man allein in die Grotte kann, nachzuschleppen. Die Felswände sind von dem Wasser tief unterminirt, und so befinden sich auch auf derselben Seite mehrere kleinere Höhlen, in welche das Wasser mit Getöse eindringt und heraussprudelt. Der Eingang der Grotte selbst ist bei ruhiger See etwa vier Fuß über dem Spiegel. Der Reisende streckt sich auf den Boden des Nachens und der der Fischer benutzt den Moment, wo die Wellen zurückkehren, um den Nachen hineinzuzwingen. Bei einigermaßen bewegtem Meer schlagen die Wellen bis über den Bogen des Eingangs, und dann ist es nicht rathsam, den Eingang zu erzwingen, einestheils weil dann der ganze Zauber der Farbe verloren geht, besonders aber weil der Ausgang auf längere Zeit unmöglich werden kann. Im vergangenen Jahre mußten zwei Reisende auf diese Art einen vollen Tag in der von den Wellen geschlossenen Grotte zubringen. Die günstigste Stunde des Besuchs ist die elfte des Vormittags, wo die Sonne dicht vor der Grotte auf das Meer scheint, und jenen magischen Reflex hervorbringt. Die Höhle selbst ist über 100 Fuß lang und 50 Fuß breit. Eine Seitenhöhle, welche sich rechts abzweigt, bietet den günstigsten Standpunkt, um das wunderbare Farbenspiel zu betrachten. Die hintern Wände sind mit Tropfstein von nicht besonders ausgezeichneter Formation bekleidet. Der größte Reiz aber besteht in jener unbeschreiblich schönen, glänzenden Atlasbläue des Wassers, in seiner Durchsichtigkeit, in der öligen Schwere, mit der es sich an den schwimmenden Körper hängt und den Badenden von lichter blauer Farbe umflossen zeigt, besonders aber in dem Abglanz der Wasserfarbe an der Felswölbung. So oft die Grotte auch bisher von Malern nachgebildet worden ist, so darf sich doch keiner rühmen, die Pracht des Urbildes nur im entferntesten erreicht zu haben, und was der bildenden Kunst versagt ist, wird der Feder vollends unmöglich. Die Grotte läuft in einen in den Fels gehauenen aufwärts führenden Gang aus. Jetzt ist er verschüttet, man kann ihn mit Mühe nur etwa 100 Stufen verfolgen. Die Sage des Volks, welche Tiber seine Mädchen in der Grotte bewachen läßt, bedarf wohl keiner Widerlegung, um so weniger, da der Gang in der Richtung von Anacapri führt, und der ohnehin von der Gicht gelähmte Kaiser auf Capri hauste. Aus demselben Grunde läßt sich auch nicht annehmen, daß die Grotte von ihm zum Bade bestimmt worden sei, und vielleicht nur, daß die Treppe zu einem geheimen Ausgange bei plötzlichem Überfalle habe dienen sollen. Die Maler Kopisch und Fries, ersterer aus Schlesien, der zweite aus Heidelberg [13], fanden bei ihrem Aufenthalte in Capri unter den Büchern des Notars Pagani [recte: Pagano] [14] eine alte Chronik der Insel, in welcher der Grotte und ihres schönen Farbenglanzes gedacht wird, mit dem Bemerken, daß sie seit längerer Zeit nicht mehr besucht würde, indem sie beim Volke als der Aufenthalt feindseliger Geister verschrieen sei [15]. Sie schwammen bei ruhiger See hinein, fanden die Angaben von der zauberischen Farbenpracht bestätigt, und begründeten durch ihre Schilderungen den europäischen Ruf, welchen jetzt die Grotte genießt [16]. Ihre Namen leben noch jetzt, wenngleich wunderlich genug verdreht, in dankbarer Erinnerung des Volkes, welches in ihnen die Entdecker jenes die Fremden herbeilockenden Magnets und somit seine Wohlthäter verehrt.

Ernst Fries (1801-1833): Die Blaue Grotte von Capri, 1826 (eine der ersten Abbildungen der Blauen Grotte)


Constantin von Kügelgen (1810-1880): Die Blaue Grotte von Capri, 1833

Auf dem östlichen Vorgebirge der Insel liegen die Trümmer des Tiberiuspalastes. Man gelangt zu ihnen von Capri aus auf schmalem, durch Weingärten- und Olivenwaldungen bergan führendem Pfade, welcher theils durch Mauern, theils durch lose auf einander gehäufte Steine, und höher hinauf durch Aloëhecken begrenzt wird. Die Weinberge selbst sind sorgfältig bebaut, und der Ölbaum am Abhange mit Unterbauten von Steinen versehen, um dem Herabstürzen der Erde vorzubeugen. Quer durch die Weingärten und längs des Saumes der höchsten Felsen sind weite Netze zum Fang der Zugvögel und namentlich der Wachteln ausgespannt, welche zweimal jährlich in ungeheuern Schwärmen vorbeiziehen und kehren, und Capri vorzugsweise zum Ruhepunkt wählen. An jenen Tagen ist alles auf den Beinen, um auf die Flüchtlinge Jagd zu machen. Sie mit dem Gewehre zu erlegen, wäre zu umständlich. Die Todmüden lassen sich mit den Händen greifen oder flattern aufgescheucht in die Maschen. Der Syndicus von Capri versicherte mir, dergestalt an einem Tage allein 48 Schnepfen und mehr als 800 Wachteln gefangen zu haben. Nur die versprengten und zurückbleibenden werden geschossen; sie sind mit den in den Felsspalten wohnenden grauen Kaninchen das einzige Wild der Insel. Die Ruinen des Tiberiuspalastes sind von geringem Kunstinteresse. Zwei kolossale Pfeiler von Backsteinen scheinen Überreste des Eingangs. Hinter denselben fällt der Fels senkrecht ins Meer; es ist die Stelle, an welcher Tiber die Opfer seiner Tyrannenlaune ins Meer stürzen ließ [17]. Von dem Palast selber stehen nur noch einige größere rohe Gewölbe und mehrere kleinere Gemächer, deren Fußböden mit schwaz und weißer Mosaik verziert sind. Auf den Ruinen ist eine kleine Kapelle erbaut [18], neben welcher ein Einsiedler wohnt; es ist einer von den zünftigen Bettlern, wie deren auf fast allen schönen Punkten in der Umgegend von Neapel horsten, etwas Brod und schlechten Wein für die Fremden in Bereitschaft haltend und für dieses die einfache Bezahlung verschmähen, um den doppelten Preis als Almosen zu erbetteln.

Bernardo Quaranta: Iconografica del Faro e della Villa detta di Giove. Tav. II aus: Francesco Alvino und Bernardo Quaranta: Le antiche ruine di Capri disegnate e restaurate dall’architetto Francesco Alvino ed illustrate dal cavalier Bernardo Quaranta, decano della facoltà di belle lettere e filosofica ecc. Napoli: Tipografia Trani 1835
 

An dem Tage, an welchem ich den Fels Tiber’s zum ersten Mal erstieg, hatte in Capri die Weinlese begonnen. Die Einwohner waren in den Vignen verstreut, Trauben lesend, sie auf den Köpfen in mächtigen Körben bergab tragend und in die Kelter stürzend. Allüberall war Lust und Leben und Gesang. Es war schon Abend. In den Ruinen des Tiberiuspalastes hatten sich fröhliche Bursche [sic] und Dirnen versammelt, die letztern mit Weinranken um das Haupt. Zu dem Dröhnen und Schellengerassel des Tambourins, bei dem Takte der klappernden Castagnetten tanzten sie auf dem Mosaikboden des Kaiserpalastes die Tarantella. Ich glaubte ein altes Basrelief aus dem Marmor ins Leben treten zu sehen beim Anblicke der leichten graziösen Bewegungen der Mädchen, ihres malerischen Costums, der kunstlosen Instrumente, des bacchantischen Jubels. Die Tarantella hat viel Ähnlichkeit mit dem römischen Saltarello, und zeichnet sich vor diesem noch durch Anmuth aus. Sie wird paarweise getanzt, und selten nur machen die verschiedenen Paare gemeinschaftliche Sache, indem sie sich kreuzen oder eine Runde bilden. Die Tänzer berühren sich fast nie, aber nach der Gleichförmigkeit der Bewegungen zu urtheilen, scheinen sie durch ein unsichtbares Band gefesselt zu sein, eine geistige Einheit zu bilden. Gaukelnd hüpfend sie einander gegenüber, den Oberleib leise wiegend, die Arme abwechselnd erhebend. Der Mann giebt, Schnippchen schlagend oder in die flache Hand klatschend, das Zeichen zum Wechseln der Tour. In einer derselben läßt sich der Tänzer aufs Knie nieder, während die Schöne im Kreise um ihn herumschwebt; begünstigt sie den Knieenden, so gewährt sie ihm den durch diese Huldigung erflehten Kuß. Ohne Verabredung tritt auch wol ein Anderer für Tänzer und Tänzerin ein, und löst die Ermüdeten ab, und der kräftigen Natur der Insulaner ist es allein zuzuschreiben, wenn dieser Fall nicht öfter eintritt, denn der Tanz ist anstrengend, auf den Fließen, welche den Boden aller Zimmer bilden. Wunderlich genug wurde ich durch die Musik an meine Heimat und Zopf- und Kamschendienst erinnert, denn der Takt der Tarantella ist kein anderer als der des altpreußischen Zapfenstreichs. Bei solchen Motiven läßt man sich aber wol die düstern Anklänge an eine im militairischen Joche verseufzte Jugend gefallen, und um auch den letzten Bodensatz von Bitterkeit wegzuschwemmen, genügt es an einem Blick auf das Meer und die Insel, auf den schroff aus den Wellen emporwachsenden Monte Salaro [recte: Solaro], Anacapris höchste Spitze, auf die jetzt zum Pulvermagazin verwandte Feste Castiglione, auf das zu Füßen liegende Capri und dessen heitere Veranden, auf den zerfallenden bischöflichen Sitz und alle die weißen Häuschen, die so lustig aus dem Grün der Weinreben und Ölzweige hervorlauschen.

F. Ruben: Tarantella auf Capri. Gemälde auf einer Türfüllung im Hotel Pagano, 1885
 

 

Giacinto Gigante (1806-1876): Tarantella, 1826
 

Die Sonne neigte sich zum Untergange, färbte die kalhle, steinige Punta della Campanella mit dunkelm Roth, und tauchte die blitzenden Häuser von Massa in Gold, gegen welches die duftigen Schatten der Capritaner-Felsen nur um so mehr abstachen. Das feine Rauchwölkchen des Vesuv verschwand allmälig dem Blicke, Neapel und seine Städtereihe versank in Dunkel. Nur die Inseln Ischia, Vivaro und Procida und das Vorgebirge von Misenum strahlten noch in hellem Sonnenglanz. Kein Wölkchen schwebte am Himmel, dessen Purpur sich in den klaren Wellen abspiegelte und noch lange glänzte, als die Sonne schon hinter Ischia ins Meer versunken war. Es ward Nacht, Musik und Gesang verstummten, die Tänzer zogen paarweise nach Hause, ich stand mit dem Einsiedler auf den Trümmern des Tiberiuspalastes allein.

Tarantella-Tänzer bei Neapel (im Hintergrund der Vesuv)
 

Tarantella-Tänzer

Grotta Matermania (Foto 2004)

Ein anderer nicht minder romantischer Punkt ist die Grotta del Matrimonio (Heirathsgrote) [19], eine geräumige, regelmäßig gebildete Höhle auf der südöstlichen Küste. Wie sie zu ihrem auffallenden Namen gekommen ist, habe ich nicht ermitteln können. Früher hat sie zu einem Tempel gedient. Zu dem erhöhten, hintern Raum führen einige in den Stein gehauene Stufen, und längs der Wände zieht sich ein bankähnlicher Vorsprung. Die Wölbung des Eingangs rundet sich zum Rahmen für den herrlichsten Blick auf das Meer, auf das Promontorio di Minerva mit seiner einsamen Warthe, auf die aus den Wellen schroff aufsteigenden Inseln der Sirenen (auch Scagli de’ Galli genannt) [20], und die fernen zackigen Gebirge der calabreser Küste. Hier herum soll sich nach der Sage des Volks bei nächtlicher Weile ein riesiges Gespensterschiff zeigen. Es wird nave di Papa Lucerna genannt, soll noch aus alten Römerzeiten stammen, mit römischen Ruderknechten bemannt sein und groß genug um die ganze Meerenge zwischen Capri und dem Capo di Minerva versperren zu können.

Friedrich Rehberg (1758-1835): Die »Grotta di Matrimonio« auf Capri. Aus: Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien in den Jahren 1791 und 1792. 4 Bände., IV., Taf. 10. Königsberg und Leipzig: Nicolovius 1794. Kupferstich von Johann Rudolf Schellenberg.

Ähnliche weitläufige Grotten, wie die eben erwähnte, hegt die Insel noch mehrere. Daß das sie Wasser ausspülte, ist augenscheinlich. Die größte nächst der genannten, ist die Grotta del Arco, und liegt hoch am Felsabsturz, unweit der kleinen Marina.

Jacques François Carabain (1834-1892): La porta della discordia
 

Castello Barbarossa. Foto von Giorgio Sommer, ca. 1880

Anacapri wird seltener besucht. Es ist weniger reich an malerischen Vorwürfen als die andere Halbinsel und gleich beschwerlich zu ersteigen und zu durchwandern. Die genannten 533 Felsstufen sind noch die mindere Mühseligkeit. Die über eine Schlucht geschlagene Zugbrücke am Ende der Treppe kann Anacapri völlig absperren [21]. Zur Linken erhebt sich auf einem kahlen, mit Steinen übersäeten Felsen die Barbarossaburg [22], ein plumpes, in Trümmer zerfallendes Bauwerk, mit einer weithin gedehnten, niedern Mauer, welche bis auf die höchste Spitze des Monte Salaro [recte: Solaro] [23] führt und die Burg mit dem dort angelegten, gleichfalls zertrümmerten Castell verbindet. In dem letztern wohnt jetzt der Wärter des Telegraphs, des talefico, nach neapolitanischer Wortcorruption. Nur ein einziges Gebäude ist auf der unwirthbaren Höhe zu erblicken, die weiße, weitleuchtende Kapelle [24] auf dem südlichen Abhange, in welcher einmal im Jahre Messe gelesen wird. Um so reicher entschädigt der Fernblick für die steinige Einöde des Felsgipfels. Das ganze Eden Neapels, der rauchende Vesuv und die Somma, der Monte Sant-Angelo, die Inseln alle, das weite, sonnenbeglänzte Meer mit seinen fernen Segeln – es ist eine nicht zu gewältigende Fülle von Schönheit. – Der Flecken Anacapri liegt lose und weit läufig zwischen Weingärten verstreut. Die schönen Veranden, jene auf weißen Steinpfeilern ruhenden Weinlauben, welche sich an jedes Haus anschließen und das freundliche Motiv zu italienischem Stilleben abgeben, sind sein einziger Reiz. Die westlichen Abhänge der Insel tragen spärlich gesäete Olivenwaldungen und einige jener melancholischen, verwitternden Warten, wie deren sich viele längs den Küsten von Italien und Sicilien hinziehen. Nur vom Meer aus gesehen machen sie einigen Effect, und Jedem, der Capri besucht, rathe ich, die Insel zu umschiffen, und die großartigen Felsmassen, die phantastischen Klippen, die alten Festen vom Meere aus zu betrachten. In drei Stunden kann eine leichte Barke das ganze Eiland umschiffen.

 

Anmerkungen der Redaktion

[1] Franz Freiherr von Gaudy (1800-1840) besuchte Capri im Herbst 1838 bei seiner zweiten Italienreise (Juli 1838 bis Juli 1939). Seine interessante und sehr detaillreiche Beschreibung ist in keiner der gängigen Quellen oder Bibliographien über Capri erwähnt und offenbar weitgehend vergessen.

Der vorliegende Text ist aus der vermutlichen Erstausgabe entnommen: Das Pfennig-Magazin der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Siebenter Band. Nr. 301-352. Leipzig: In der Expedition des Pfennig-Magazins. (F.A. Brockhaus.) 1839. Hier Capri in Nr. 348; November 30, 1839, S. 378-381.

Der Text ist später – mit einer Vielzahl von Textänderungen – aufgenommen worden in: Portogalli, Reise- und Lebensbilder aus Italien, veröffentlicht in: Arthur Mueller (Hg.): Franz Freiherrn Gaudy’s sämmtliche Werke. Berlin: Karl J. Klemann 1844. Hier Capri im Band 5, S. 74-87. Es ist leider nicht nachvollziehbar, welche der beiden Versionen dem ursprünglichen Manuskript folgt. Redaktionelle Eingriffe durch das Pfennig-Magazin als auch durch den Herausgeber der Werkausgabe sind denkbar. Die Texte unterscheiden sich durch kleinere Hinzufügungen, Weglassungen, einzelne sachliche Fehler und Schreibweisen. Danach ist der Text offenbar nur noch publiziert in: Arthur Mueller (Hg.): Franz Freiherrn Gaudy’s poetische und prosaische Werke. Neue Ausgabe. Berlin: A. Hofmann & Comp. 1853-1854. Siebenter Band. Portogalli. Reise- und Lebensbilder aus Italien, hier: Capri S. 62-70. In den nach 1854 erschienenen Ausgaben von Gaudys Werken sind die Portogalli nicht mehr aufgenommen worden. Die Redaktion dankt Rudi Schweikert für die bibliographischen Auskünfte und für die Hilfe bei der Bestimmung der Textvarianten. 

Franz (Bernhard Heinrich Wilhelm) Freiherr von Gaudy, geb. 19.4.1800 in Frankfurt/O., gest. 5.2.1840 in Berlin; seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirchen-Gemeinde Berlin. Spätromantischer Lyriker, Novellist, Reiseschriftsteller und Übersetzer. Bekanntschaft mit Adelbert von Chamisso (Mitherausgeber Deutscher Musenalmanach für das Jahr 1839), Karl von Holtei, Willibald Alexis, Friedrich de la Motte Fouqué, Nikolaus Lenau, Franz Kugler (mit ihm erste Italienreise 1835), Joseph Freiherr von Eichendorff, Justinus Kerner, Gustav Schwab und August Kopisch, dem Wiederentdecker der Blauen Grotte auf Capri.

zu Gaudy:
Johannes Reiske: Franz Freiherr von Gaudy als Dichter. Berlin: Mayer & Müller 1911; Palaestra LX.
Rudi Schweikert (Hg.): Schwarze Siegel. Texte Franz Freiherr Gaudys. München: edition text+kritik 1986, Sonderlieferung des Bargfeder Boten.
Walther Killy (Hg.): Literaturlexikon. Güthersloh: Bertelsmann 1988 ff., Band 4, S. 90-91.
Gero von Wilpert (Hg.): Lexikon der Weltliteratur. Stuttgart: Kröner 1988 ff, S. 516-517.

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[2] Die Wiederentdeckung der Blauen Grotte erfolgte 1926 durch den Breslauer Schriftsteller und Komponisten August Kopisch und den Heidelberger Maler Ernst Fries zusammen mit dem Fischer Angelo Ferraro (»il riccio«), Eintrag ins Gästebuch des Hotels Pagano vom 17.08.1826.

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[3] Der römische Kaiser Tiberius regierte 27-37 n.Chr. von Capri aus das römische Weltreich. Die vielbesuchte sogenannte Villa Jovis auf dem Monte Tiberio (335 m) ist eine von 12 Kaiservillen auf Capri. Nach den Beschreibungen Suetons soll Tiberius auf Capri unglaubliche Ausschweifungen begangen haben. Diese historisch unbewiesenen Behauptungen haben sich in der Literatur hartnäckig gehalten.

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[4] Der englische Lieutnant-Colonel Hudson Lowe (geb. 28.7.1769 in Galway, gest. 10.1.1844 in Chelsea) war 1806-08 Gouvereur von Capri als die Truppen des von Napoleon eingesetzten neapolitanischen Königs Joachim Murat am 4.10.1808 die eigentlich ausgezeichnet zu verteidigende Insel angriffen und ihn am 17.10.1808 zur Kapitulation zwangen. Ein Tag später kam die englische Entsatzflotte und mußte wieder abziehen. Die Schlacht von Capri wird auf dem Triumphbogen in Paris erwähnt. Kurioserweise wurde Lowe am 15.4.1816 Bewacher Napoleons auf St. Helena bis zu dessen Tod am 5.5.1821. Napoleon nannte ihn ironisch »héros de Caprée« und erinnerte ihn dauernd an seine unrühmliche Niederlage auf Capri. So waren beide Insulaner, der große Korse und der auf Capri gescheiterte Ire, wieder gefangen auf einer Insel.

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[5] Die sogenannte Scala Fenicia, die »Phönizische Treppe« (s. a. den Artikel von Dieter Richter: Jakobsleiter in den Himmel). Die Fahrstraße wurde erst 1874 von Cav. Ing. Emilio Mayer gebaut (1877 fertiggestellt), der auch 1899 die berühmte Via Krupp auf Capri baute (s.a. Dieter Richter: Bruder Glücklichs trauriges Ende).

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[6] 1808 wurde der Bischofssitz aufgelöst. Nicola Saverio Gamboni wurde 1776 von Papst Pius VII. zum letzten Bischof und Prälat von Capri berufen, gründet ein Seminar für Seefahrt und Landwirtschaft und ein Mädchenseminar (Schreiben, Lesen, Seidenmalerei). Gamboni war auf der Seite der französischen Parthenopäischen Republik in Neapel und wurde nach Rückkehr der Bourbonen nach Neapel verbannt, aber von Napoleon protegiert und 1807 zum Patriarch von Venedig ernannt, wo er 1808 starb. Der ursprüngliche Bischofssitz war die Chiesa S. Costanzo an der Marina Grande, später die Chiesa S. Stefano. Der Bischofspalast zu dieser Zeit war das Gebäude des heutigen Municipio an der Piazzetta.

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[7] Chiesa S. Stefano, die Hauptkirche Capris, 1687-1697 auf den Ruinen der alten Benediktiner-Kathedrale erbaut, bis 1808 Bischofssitz.

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[8] Die Certosa di San Giacomo, ein ehemaliges, 1371-1374 von Giacomo Arcucci gegründes, Karthäuserkloster wurde durch Joseph Bonaparte säkularisiert, danach mußten die Mönche 1808 das Kloster verlassen. Die Certosa wurde danach verschieden genutzt, u.a. auch als militärische Strafkolonie.

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[9] Der Bourbone Ferdinand II. Karl (geb. 12.1.1810 in Palermo, gest. 22.5.1859 in Caserta) regierte 1830-1859 als König von Neapel und beider Sizilien und war damit auch Herrscher über Capri.

 

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[10] Der Scirocco ist ein schwül-heißer Wind aus Süd bis Südost im Mittelmeerraum, ein Wind, bei dem heiße Luft aus Nordafrika über das Mittelmeer nach Italien zieht. Dabei liegt das Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer und saugt heiße und trockene Luft aus der Sahara nach Norden ab. Über dem Mittelmeer reichert sich die Luft dann stark mit Feuchtigkeit an, die beim Aufsteigen an den Bergen heftig abregnet.

 

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[11] Auf der Hochebene (151 m) an der Nordküste von Anacapri liegt Damecuta (=Palazzo delle Dame Occulte, =Damechiuse=Ort, an dem Tiberio seine Odalisken (Damen) einsperren ließ) mit Überresten einer kaiserlich-römischen Villa und eines mittelalterlichen Wehrturms, eine Befestigung gegen die Angriffe der Sarazenen aus dem 16. Jahrhundert; planmäßige Zerstörung der Überreste während der bourbonischen Restauration und der Besetzung durch die Engländer aufgrund des Baues von Befestigungen, 1808 Kampfhandlungen bei der Wiedereinnahme durch die Franzosen.

 

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[12] Der Tramontana (frz.: montagne= Gebirge, Berg; von den Bergen kommend) ist ein kühler Nord- oder Nordostwind. Er entsteht, wenn ein Tiefdruckgebiet wandert und die dazugehöhrige Kaltfront bereits weiter in den Süden gezogen ist. Dabei dreht der Wind im Uhrzeigersinn auf Nord oder Nordost.

 

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[13] s.a. Anm. 2. August Kopisch stammte aus Breslau in Schlesien (geb. 26.5.1799, gest. in Berlin 3.2.1853), Ernst Fries aus Heidelberg (geb. 22.6.1801, 1831 badischer Hofmaler, gest. 11.10.1833 in Karlsruhe).

 

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[14] Im Jahre 1816 eröffnete der Notar Guiseppe Pagano eine casa ospitale, ab 1823 »Hotel Pagano« genannt. Das erste Gästebuch beginnt 1825. Heute heißt das Hotel »La Palma« und gilt als eines der besten Hotels auf Capri. Viele Jahrzehnte war das Hotel der bevorzugte Platz gerade auch für deutsche Künstler, von denen einige den Speisesaal ausmalten. Victor von Scheffels Roman Der Trompeter von Säckingen beinhaltet eine berühmte Szene, die auf dem Dach des Hotels spielt. Nach dem dort auftretenden Kater wurde die wenige Meter entfernt im Erdgeschoß des Palazzo Ferraro liegende Casina de la Rose in »Caffè Hiddigeigei« umbenannt und entwickelte sich zu einer beliebten Künsterkneipe, vor allem für deutsche Besucher.

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[15] Die Blaue Grotte ist bereits 1696 auf der Capri-Karte in Isolario von Marco Vincentino Coronelli (Gründer der 1. Geographischen Gesellschaft Venedigs, Kosmograph der Venetianischen Republik) als »Grotta Gradola« erwähnt. Die Capresen nennen sie »Satansgrotte« und »Hexenloch«.

 

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[16] Kopischs Bericht Entdeckung der Blauen Grotte erschien erst 1838 (in dem von Alfred Reumont herausgegebenen Jahrbuch »Italia« bei Alexander Duncker in Berlin), zwölfJahre nach der Wiederentdeckung, im gleichen Jahr also, in dem Gaudy die Insel besuchte. Seine Einschätzung, daß der Bericht den Ruf begründete ist sehr vorausschauend und richtig. Die Wiederentdeckung und der Bericht können als der Beginn des bis heute andauernden und wirkenden Capri-Mythos’ bezeichnet werden.

 

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[17] Gaudy folgt hier Suetons Diffamierungen. Der Ort direkt neben dem Palastkomplex heißt heute noch »Salto Tiberio«.

 

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[18] Die damalige Chiesa S. Christoforo e Leonhard, heute Chiesa S. Maria del Soccorso.

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[19] Es gibt etliche Namensvarianten der Grotte in der Literatur. Vermutlich handelt es sich um ein griechisch-römisches Nymphäum, unter Augustus und Tiberius war hier eine Mithras-Kultststätte; hier wurde ein Mithras-Relief gefunden; angeblich wurde hier auch eine Kybele-Statue gefunden (=Magna Mater, daher auch Matermania); Ferdinand Gregorovius leitete den Namen so ab: Matermania – Matromania – Magnae Matris Antrum oder Magnum Mithrae Antrum.

 

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[20] Die Li Galli, eine Inselgruppe im Golf von Salerno.

 

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[21] Die sogenannte Porta della Differenza, s.a. den Artikel von Dieter Richter: Jakobsleiter in den Himmel.

 

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[22] Das Castello Barbarossa befindet sich auf 409 m auf dem Paß von Anacapri, 80 m oberhalb der heutigen Villa S. Michele. Ursprünglich war das Castello eine Tiberius-Villa, dann eine byzantinische Festung. Im 11.und 12. Jh. wurde das Castello zu einer quadratischen Burg mit zwei Wehrtürmen und Mauerrring ausgebaut. Im Jahre 1535 überfiel Khair-ed-Din Barbarossa (=Rotbart, Kair er Edin, Chaireddin Barbarossa, Horut Barbarossa; algerischer Korsar, Herr von Algier und Dragut, Bey von Tunis, Gründer des Barbareskenstaats, Vasall der Hohen Pforte, später Sultan, Admiral beider türkischen Flotten) Capri und zerstört das Castello, das später in Gedenken daran »Barbarossa« benannt wurde. Heute befindet sich dort eine Vogelschutzstation. Die von Gaudy beschriebene Vogeljagd wurde von dem schwedischen Arzt Axel Munthe (Erbauer der Villa San Michele, weltberühmt geworden durch sein Buch von San Michele) später stark bekämpft. Er kaufte den Berg mit der Barbarossaburg, wo die Vogeljagd zuvor besonders intensiv betrieben wurde und konnte schließlich Benito Mussolini davon überzeugen, die Vogeljagd auf Capri zu verbieten.

 

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[23] Der Monte Solaro ist mit 589 m der höchste Berg Capris. Im 16. Jh. befand sich dort eine Befestigungsanlage zum Schutz gegen die Sarazenen.

 

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[24] Die Kapelle ist die Chiesa S. Maria a Cetrella, eine kleine, im 14. Jh. von Karthäusermönchen gegründete Kirche, die später von Dominikanern und Franziskanern betreut wurde. Es befindet sich dort ein Bild der Heiligen Maria, die von Anacapris Fischern und Korallentauchern verehrt wird. Noch heute werden dort kirchliche Feste zu Ehren Marias am 15.8. (Mariä Himmelfahrt) und am 8.9. (Maria Geburt) gefeiert.

 

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Ulrich Schuch

 

Alle Abbildungen Archiv U. Schuch